Türkenkeller

Türkenkeller Weisz
Haus zum 'Purbacher Türken'
Weingut & Heurigen Restaurant

A-7083 Purbach am Neusiedler See
Burgenland - Österreich
Schulgasse 9
Tel/Fax: +43 2683 5112
tuerkenkeller@purbach.at
Reservierung: NUR per Tel.






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Baden - Purbach

www.purbach.at

 
Die Legende des Purbacher Türken
von Therese Kietaibl nach Adolf Mohl "A Feketevárosi Török" aus dem Ungarischen übersetzt.

Sultan Soliman wollte den Mißerfolg von 1529 rächen und zog im Jahre 1532 abermals gegen Wien. Diesmal führte er sein riesiges Heer entlang der Westgrenze von Ungarn heran. Anfang August erreichte er Güns. Nikolaus Jurischitsch, der Kommandant der unbedeutenden Festung, hatte nur eine kleine Schar mutiger Krieger zur Verfügung, trotzdem versperrte er dem allmächtigen Sultan den Weg und stellte sich ihm entgegen.
Soliman vermeinte mit Güns rasch fertig zu werden, und da ihm die Verpflegung seines riesigen Heeres viel Schwierigkeiten bereitete, schickte er einen Teil seiner Truppen weiter.
Doch die Belagerung der Burg Güns zog sich über einen Monat hin.

Während dieser Zeit erreichte die türkische Vorhut das Gebiet von Eisenstadt und Ödenburg und beunruhigte die ganze Gegend. Das österreichische Heer aber stand zwischen Wiener Neustadt und Wien und erwartete den Vorstoß der Türken. Diese überfielen, Beute suchend und plündernd, die umliegenden Ortschaften.
So verschlug es gegen Ende August eine türkische Reiterschar in die Gegend von Purbach. Die Dorfbewohner waren auf solche Überfälle immer vorbereitet. Die wertvolle Habe war rechtzeitig in Sicherheit gebracht und versteckt worden. Das Vieh aber wurde in die dichten Wälder, die bis an den Markt reichten, getrieben. Auch die alten Leute, die Frauen und Kinder flüchteten in die Wälder. Nur die Männer und wirklich mutige und beherzte Frauen blieben im Ort zurück. Diese wachten Tag und Nacht.

Als dann in der grauen Morgendämmerung der Turmwächter die Sturmglocke läutete, wußten alle, daß der "Erbfeind" im Anmarsch war. Sie zogen sich in die alte Burg zurück und bezogen, gut bewaffnet, ihre Stellungen hinter den Mauern und Basteien. Der Markt war damals noch nicht von einer Mauer umgeben.
Die einbrechenden Türken dachten gar nicht daran, die Burg zu belagern; sie plünderten die verlassenen Häuser, Speicher und Kammern und leider auch -der Prophet möge ihnen verzeihen - die verbotenen Weinkeller.

Ein Türke, sein Name ist uns nicht überliefert, muß dem Purbacher Wein besonders gut zugesprochen haben, denn er taumelte vergnügt herum und wollte im Inneren des Hauses noch allerhand mitgehen lassen. Da wurden ihm die Füße schwer, er verlor sein Gleichgewicht, fiel auf einen Sack und versank in einen tiefen Schlaf, aus den ihn auch kein Trompetenruf mehr wecken konnte.
Er schlief sehr lange und hätte wahrscheinlich noch länger geträumt, wenn er nicht vom Hof her durch lautes Sprechen geweckt worden wäre. Die Sprache fiel ihm auf, das war ja die Sprache der Ungläubigen!
Plötzlich kam ihm eine Erleuchtung und er war sich über seine Lage im klaren. Während er die schönsten Träume seines Lebens geträumt hatte, war die plündernde Horde abgezogen, ohne ihn zu suchen. Inzwischen waren die Bewohner des Hauses aus ihren Verstecken zurückgekehrt. Im Nu war er im Speicher und zwar im finstersten Winkel. Es war auch höchste Zeit, denn schon öffnete sich die Türe und zwei Männer kamen in die Kammer, schauten herum, und weil sie nichts Verdächtiges bemerkten, gingen sie wieder davon. Da atmete der Türke erleichtert auf, aber sein Versteck verließ er nicht vor Einbruch der Dunkelheit, bevor nicht vollkommene Stille im Hause herrschte.

Endlich, spät in der Nacht, kroch er aus dem Speicher hervor. Die Kammer besaß keine Fenster, nur durch kleine Ritzen und Spalten sickerte das Mondlicht herein. Die Tür führte in die Küche, da schlich er nun auf Fußspitzen leise hinein. Zuerst prüfte er die Fenster. Die waren zwar sehr eng und schmal geraten, aber vielleicht hätte sich der schlanke, gelenkige Reitersmann mit dem Haarknoten doch durchgezwängt, wenn nicht das eiserne Fensterkreuz gewesen wäre.
Vorsichtig schlich er wieder zur Küchentüre und schob den Riegel leise zurück. Wenn er noch gezweifelt hätte, nun wußte er mit Sicherheit, daß sich in der Stube Leute aufhielten. Er drückte auf die Klinke, aber die Tür ging nicht auf, sie mußte verschlossen worden sein, entweder mit einem Schlüssel oder mit einem Riegel, das konnte er nicht herausfinden, obwohl er das Schloß hundertmal abtastete. Alles war vergeblich, die Türe ließ sich nicht öffnen. - Was sollte er jetzt tun? Noch einmal schaute er sich suchend in der Küche um und sah, wie der Mond freundlich durch den Kamin herunterschien. Könnte man nicht auf diesem Weg ins Freie gelangen? Blitzartig kam ihm ein Gedanke und er kletterte auf die Feuerstelle. Ausgeschlossen, ohne Leiter konnte er im Kamin nicht hinauf.

Aber nirgends fand er auch nur etwas Ähnliches. Verdrossen schaute er in die Öffnung des Kamins und in das verlockende Mondlicht. Er starrte und starrte, bis sich seine verdrießliche Miene plötzlich erhellte und wie die runde Mondscheibe vor Freude strahlte. Was war geschehen?

Im Inneren des Kamins entdeckte er Stangen, auf welche das Fleisch zum Selchen gehängt wurde. Sofort kam ihm der rettende Einfall. Er stieg vom Herd herunter, fand einen starken Strick, kletterte nochmals auf die Feuerstelle, warf das Ende des Seiles geschickt über die oberste Stange, ließ es herunter und schlang es um den untersten Prügel. Kaum war dies gelungen, kletterte er, behend wie ein Eichkätzchen, an dem Seil zwischen den Stangen hinauf. Im Nu war er oben; nun wurde aber der Rauchfang immer enger. Er arbeitete mit Händen und Füßen, auch seinen geschmeidigen Rücken nahm er zu Hilfe. Endlich hatte er sich durchgezwängt und glückstrahlend steckte er sein turbangeschmücktes Haupt aus dem Kamin. Noch nie hatte er die Nachtluft so würzig, so voller Duft gefunden, wie in dem ersten Augenblick, als er dem Ruß und der Gefangenschaft entkommen zu sein glaubte. Mit offenem Mund und klopfendem Herzen sog er die kühle, frische Nachtluft ein. Aber nicht lange!

Gerade als er begann Umschau zu halten, um zu sehen, wie er von seiner luftigen Höhe wieder in bekanntere Gefilde gelangen könnte, drang plötzlich ein Geräusch an sein Ohr, das sich bald in lautes Schreien, Gepolter und schließlich in höllischen Lärm verwandelte. Hatte man ihn vielleicht gar bemerkt?
Wie eine Schnecke zog er seinen Kopf unter den schützenden Kaminrand zurück und regungslos erwartete er, was über ihn im Buche des Schicksals geschrieben stand. - Aber es blieb ihm nicht viel Zeit dazu! Unter ihm öffneten sich die Türen und Tore, aus allen Richtungen liefen die Leute herbei. Mit viel Geschrei drängten sie in die Küche und drohend zeigten sie hinauf zu seinem Versteck im Rauchfang. Der Türke wollte nun nochmals versuchen ins Weite zu gelangen. Da sah er mit Entsetzen, daß der Hof, ja die ganze Umgebung des Hauses, voll mit Bewaffneten war, die mit Büchsen, Hellebarden und eisernen Mistgabeln, mit höllischem Lärm und Gejohle, den Kopf mit dem Turban bedrohten.

Aber der Türke war nicht umsonst ein Muselman und so ergab er sich blind seinem Schicksal.
Noch einmal verkroch er sich im russigen Kamin und rührte sich nicht, obwohl man ihn beruhigte und lockte. Sogar mit Heugabeln und Stangen versuchten sie, ihn von unten her zum Verlassen seiner Zufluchtstätte zu bewegen, denn sie wollten ja ihren Heiden lebendig fangen.
Schließlich half der rettende Einfall des Nachtwächters seinen Landsleuten aus der Verlegenheit und dem Türken aus dem Rauchfang. Er holte ein Reisigbündel, entfachte unter dem bangenden Muselman ein stark qualmendes Feuer und räucherte ihn so aus dem Kamin. Jetzt war es nur mehr ein Leichtes, ihn mit Leitern und Feuerhaken vom Dach herunter zu holen, zu fesseln und in das Burgverlies abzuführen.

Nun kamen schlechte Zeiten nicht nur für unseren gefangenen Türken, sondern für das ganze türkische Heer. Sultan Soliman mußte nach seiner erfolglosen Belagerung von Güns einen schmachvollen Rückzug antreten, ohne Wien auch nur von der Ferne gesehen zu haben. Ebenso zogen sich die Reiterscharen, die das Gebiet um den Neusiedler See beunruhigt hatten, zurück und folgten dem türkischen Heer.
Auf diese Nachricht hin versammelte sich das Purbacher Marktgericht, um über das Los des Gefangenen zu entscheiden. Es faßte folgenden Beschluß: Dem Türken sollte kein Leid zugefügt werden, wenn er den wahren christlichen Glauben annimmt. Damit er aber nicht zum bedauernswerten herrenlosen Gut werde, sollte er dem Mitbürger, in dessen Haus er gefangen worden war, zum Geschenk gemacht werden.

Der Türke und auch der angesehene Hauseigentümer waren mit dem Beschluß einverstanden und bald darauf wurde der Bauer Pate eines ziemlich ausgewachsenen Täuflings.
Zum Lobe des Purbacher Türken muß noch gesagt werden, daß er sowohl als Christ, als auch als Familienmitglied, seine Pflichten zur vollsten Zufriedenheit der ganzen Gemeinde erfüllte. Der beste Beweis dafür war wohl der, daß er bis zu seinem Tod im Hause seines Herrn und Taufpaten verblieb. Ja sogar darüber hinaus, denn nach seinem Hinscheiden ließ ihm sein Herr, wahrscheinlich zum Dank und Andenken, eine Steinbüste mit einem großen Turban auf dem Kopf am Schornstein aufstellen. Dort steht sie noch heute. Wer es nicht glaubt, kann den "Purbacher Türken" am Kamin des "Hauses Nr. 103" (Schulgasse 9) besichtigen.